Wer einen einheitlichen Stil erwartet hatte, wurde enttäuscht. Den gab
es weder in der Damen- noch in der Herrenmode. Seit Jahren
beherrscht eine unglaubliche Vielfalt den Markt. Da musste Mann –
Frau natürlich auch – schon sehr stilsicher sein, um der Mode Tribut
zu zollen. Die Designer gaben Anregungen und ließen viel Freiraum
für modische Selbstverwirklichung.
Der Trend für den Mann sah im Modejahr 2010 Klassik und Eleganz vor.
Farblosigkeit in Schwarz und Grau waren die angesagten Töne. Doch da
man überall etwas Farbe (er)tragen kann, sollten wenigsten im Sommer
die blassen oder schon angebräunten Beine der Herren diesen
Farbtupfer setzen. Kurze, gut geschnittene Hosen waren möglich und
entsprachen dem Trend. Mäntel, Jacken und Sakkos präsentierten sich
vor allem in zeitlosem Stil, stellten kein Wagnis dar und wurden
angenommen.
Die Damen konnten getrost auf den Schick der 90er zurückgreifen. Für
den Sommer musste man allerdings kritisch mit der Figurbetrachtung
umgehen, es wurde heiß. Nein, nicht das Wetter! Die Röcke wurden zu
Röckchen, kurz und schick. Fantasievolle Schnitte und viel Buntes
gaben den winzigen Teilchen den modischen Schliff. Kurze Shorts für
die Damen sorgten für Beinfreiheit und wurden gern getragen. Zu den
Röckchen und den Shorts bevorzugte man Schuhe mit hohen Absätzen.
Sie gaben der Kleidung zusätzlich erotische Eleganz. Den Turnschuhen
blieben die sportlichen Anlässe vorbehalten.
Das Jahr 2010 hatte hierzulande mit der Berliner Fashion-Week im
Januar schon die ganze Bandbreite der Vielseitigkeit gezeigt.
Puristisch-feminin, so präsentierte beispielsweise Rena Lange ihre
Berliner Debüt-Kollektion, der sie viel Raffinesse eingehaucht
hatte. Ihr Name war in Münchner Modekreisen längst kein Geheimtipp
mehr und auf dem Berliner Catwalk begeisterte sie ihr Publikum.
Verschiedene Laufstege, verschiedene Designer; jeder Interessent
konnte seine Mode finden. Mannigfaltigkeit stand einem
Einheits-Trend entgegen. Besonders Michael Michalsky bewies Humor
und Fantasie mit seiner StyleNite, inspiriert von dem Maler des
"Berliner Milljöhs", Heinrich Zille. Sogar Karl Lagerfeld
bescheinigte dem Kollegen das nötige Talent, um Berlin als eine
Stadt der Mode ins Blickfeld zu rücken. Michalsky brachte Eleganz,
Futurismus und Sportswear auf den Catwalk. Von allem etwas, für
jeden etwas. Parallel gab es noch eine Menge anderer
Laufsteg-Ereignisse auf der Fashion-Week, bei denen Jeans und
sportliche Modelle vorgeführt wurden, die alltagstauglich waren,
aber auch den Schick für einen besonderen Abend hatten. Sie stellten
nichts revolutionär Neues dar, gehörten sie doch seit Unzeiten in
jeden modern sortierten Kleiderschrank.
Die Damen konstatierten mit Freude, dass die Overknee-Stiefel den
Weg aus einer speziellen Szene gefunden hatten. Der Hauch des
Verruchten war kein Thema mehr. Dieses modische Schuhwerk eroberte
sich die Beine der jungen Frauen und Mädchen schnell. Auch der
Cowboy- und Cowgirl-Look hatte wieder um sich gegriffen. Er war
praktisch und man konnte ihn zu jedem Anlass entsprechend variieren.
Dass es einmal verpönt gewesen war, Jeans mit Jeansjacken zu
kombinieren, war glücklicherweise in Vergessenheit geraten.
Schließlich passten diese Teile sichtbar gut zusammen.
Ein Trend, der sich schon vordem gezeigt hatte, war beständig: Jeder
war sein eigener Designer. Und wer Kleidung selbstbewusst genug
präsentierte, wurde nicht beglotzt, sondern für seinen Mut bestaunt.
Man konnte nie sicher sein, ob eine eigene Kreation nicht doch
einmal einen renommierten Laufsteg gesehen hatte.
Die Industrie und die Mode arbeiteten Hand in Hand und die Trends
des Jahres 2010 waren ein individuelles Miteinander von
Kleidungsstücken, deren Stil teilweise schon ganz anderen
Jahrzehnten entstammte. Und da jeder tragen durfte, was er wollte,
war es für jede Altersgruppe möglich, sich modisch ansprechend zu
kleiden.